Frühling läßt sein blaues Band

So- ein letztes mal im April, ehe hier das große Gähnen am Montag einsetzt. Eine Versuch auf dunklerem Untergrund und weniger Farben. Hier war jetzt weiß als Acryl unterwegs und schon mußte ein Edding zusätzlich ran, weil die einfachen Fineliner sich auf dem weiß wegwischen ließen.






















Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
  Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804 – 1875)

Beim Blau fiel mir wieder eine der esten Frühlingsaktioen von Tabea und Michaela wieder ein , bei dem dieses Gedicht rumreiste.

Nun bin ich gespannt, welches Maithema Frau Nahtlust für die Papierliebe ausgebrütet hat, aber ich kann mit Blumen noch weiter, was mir vor 4 Wochen nicht träumte.

Stoff gefaltet - futuristische Vase - Stoffspielerei April


Plissee - ein ambivalentes Thema. Ich war baff erstaunt, als Lucy es zum Thema der Stoffspielerei wählte, kann man doch nur mit fremder Hilfe Plissee erzeugen. (obwohl inzwischen jede eng gelegte Falte so benamt wird) Es kommt alle Jahr mal wieder, aber es gibt weniges, was ich wirklich begeisterungswürdig finde. Man unterscheidet zwischen gewebtem Plissee, Wirkplissee, Strickplisse und dem chemisch-technischen Plissee.
Ein historischer Ausflug gehört bei diesem Thema unbedingt dazu.

Als ich Schulkind war, hatte wohl jede Frau einen Plisserock im Schrank. Das war so ein ganz braver Klassiker. Frau Mama trug einen mit buntem Karo, das war schon besonders. Plisseebrennereien gibt es nur noch sehr wenige. Man konnte einen Stoff gesäumt (sehr wichtig) dorthin bringen und sich Falten brennen lassen.   
Hier praktiziert Familie Gießmann aus Berlin das noch. Es gibt Liege-oder Stehplisse und natürlich verschiedene Tiefen.Und natürlich Sonnenplissee. Für jede Sorte eine ziemlich große gefaltete Pappschablone, in die der Stoff eingelegt wurde. Ein richtiges Handwerk ist/war das. Das Entscheidende ist eigentlich der synthetische Anteil im Stoff, damit die Falten dauerhaft bleiben. Hier gibt es einen kleinen Film mit Werkstatteinblick.

 Albrecht Dürer                                                                
" Nürnberger Frau beim Kirchgang"                                            ungarische Tracht Palóc


Aber auch schon vor der Erfindung der chemischen Faser fand man an eng gefaltetem Stoff gefallen, die Üppigkeit stellte einen besonderes Reiz dar. Zwei Postkarten. Auch in Trachten kommt so etwas schon  in Baumwolle vor. Eng gelegt und im Backofen mit heißem Brotteig (!) fixiert, hat man solche Röcke geschaffen. Die Stoffmenge ist gigantisch. Festtagskleidung wurde geschont und in Truhen gelagert, so konnten sich diese Falten erhalten. Mit Berührung von Wasser, wären sie schnell verschwunden.

In den 20er Jahren fiel das spanische Universal-Genie Mariano Fortuny (1871 -1949) mit wunderbar körperumspielenden Kleidern auf. (er war auch Bildhauer, Maler, Erfinder, Designer etc) Seine Modelle sind exquisite Exponate in Modesammlungen von Museen. Sie waren aus reiner Seide und wurden anfangs nur von wenigen mutigen Frauen, oft Tänzerinnen getragen, denn viel Unterkleidung vertrug sich nicht mit der Silhouette. Er hat ein geheimes Verfahren entwickelt, bei dem seine selbstgefärbten Seiden fast permanent die feinen Falten behält und hat bis 1949 diese wundervollen Kleider gerarbeitet.


Die Seiten wurden oft mit Glasperlen aus Venedig verziert, in deren Nähe er seine Werkstatt hatte (hier  und hier auch gut zu sehen ) Sie waren als Schmuck und wohl auch als Gewicht, um die Körperlinie zu unterstreichen. Die Plissierten Teile sind oft durch Schnürungen oder Perlen beweglich verbunden. ich nehme an, er wollte verhindern, das Nähte die Beweglichkeit des Stoffes behindern.
Das Detailfoto oben stammt von Augusta auctions, einem NY er Auktionshaus, die sich nur um Kleidung kümmert, der blanke Wahnsinn für Mode- und Textilfreaks! (der link führ euch direkt zum Katalog von 2016)


The Metropolitan Museum of  Art New York







Fortunys Kleider wurden gewickelt und in Hutschachteln aufbewahrt. Erinnert ein wenig an die Krinklewelle, bei der man feucht verdreht Blusen und Röcke zum Trocknen lagern sollte, um die Knitterfalten wieder schön hinzubekommen.
Solch ein Kleid mal auf der Haut tragen, wäre schon mal ein lohnenswerter Traum.
In dem FAZ- Artikel kann man nachlesen, was aus der Werkstatt inzwischen geworden ist .

Ob man Schottenröcke zum Plissee zählen darf, obwohl es ja klassisch eher ein Wollstoff ist, dem man Falten einbügelt hat, weiß ich nicht.
Als Zierbesatz kam Plissee auch immer mal wieder zum Einatz, als Jabots, Ärmelrüsche und Schaltuch.
Auch als Bolereo und Schmuckrosetten -

Auch ich habe schon einen Plisserock kurzzeitig getragen. Metallic und fast bodenlang, ein runtergesetztes Teil. Ich fand das damals ziemlich raffiniert und zog es Silvester an, bis die kleine Tochter meinte: " Mama du siehst  aus, als wenn du in einer Blechtonne stehst!". Tja, seit diesem Zeitpunkt hatte ich kein ungetrübtes Verhältnis mehr zum Blechbüchsenrock.
Es sah ungefähr wie hier der rechte Rock aus, nur silbern, aber bereits Anfang der 90er, nicht 2015.

Ein Rest Plissee  ist die Basis für ein futuristische Vase à la Fortuny. Vier Linien quer zum Plissee  werden auf Gummi genäht und zum Schlauch geschlossen, schon kann man jeder Flasche oder Vase ein neues ungewöhnliches Kleid verpassen. Unendlich viele Möglichkeiten ergeben sich durch zupfen und verschieben der Gummis.





Die Ausleuchtung von schwarz ist wirklich nicht leicht.Seltsamerweises sieht ein Fotos aus , als wären gar keine Falten vorhanden. Das ist mir aber erst hier aufgefallen.

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Heute sammelt Frau Nahtzugabe alle links und das nächste Thema : "Schrift im/auf Textil "im Mai gibt es hier

gefiederte Freunde

Meine gefiederten Freunde können so gar nicht singen, aber trotzdem erfreuen sie mich ungemein. Als kleine grüne "Knaule" erworben, haben sie sich toll entwickelt. Üppig wie eine Rose, gefiedert wie eine Nelke, aber von Geburt Tulpe. In einer Lieblingsvase vom  Flohmarkt, die ganz viele Luftblasen in sich hat.






Noch mehr duftenden Freitagsfreuden bei Hollunderbluetchen.

Habt einen feinen Frühlingsfreitag!

Von Lust und Frust - von Wellen zu Blubberfischen


Welch tolle Idee, dachte ich sofort zur Frühlingsaktion von Tabea und Michaela, Druck und Stoff zu verbinden. Da wollte ich unbedingt mitmischen und hatte auch mit Wellen schon so eine wachsende Idee im Kopf. Möglichst sollte alles aus dem Fundus herhalten für diese Aktion. Den entscheidenen Kick gab auch, dass Michaela bereits mit Freezerpapaier gesiebdruckt hatte und das war vorhanden. Als Schablone mit Pinsel hat es hier schon öfter gute Dienste geleistet auf Stoff.



Ein alter Tüllunterrock eines Tochterkleides wurde als Sieb genutzt und straff getackert.
Einen ziemlich langen Abend habe ich an einem kompletten Rapport gearbeitet, der also in allen Richtungen funktioniert.Das war der große Plan.


Gezeichnet war der dann auch ganz schön, wurde geschnitten und dann...Grau ist alle Theorie!!! Als das
Freezerpapier geschnitten war, fiel mir auf (ziemlich zeitig!), dass ich ja nass arbeiten werde, also gar nicht sofort am Ansatz weiterdrucken könnte. Na toll! Mustersatz am Bildprogramm ist doch etwas trockner.



Und dann ging rein gar nichts wie ich es mir vorgestellt hatte. Um echt Farbe auf den Stoff zu bekommen, mußte ich richtig viel nehmen, es gab keine exakten Ränder. Nach drei Proben war die Farbe schon fast alle. Die Feuchtigkeit ließ das Papier rasant schnell ausdehnen, so dass es sich löste und alles unter die Kontur lief. Oder lag es am Tüll? Zu grobmaschig, zu locker? Also doch ein echtes Sieb gekauft, die Wellen komplett neu geschnitten - das Ergebnis blieb, leider! Das Papier wurde viel zu schnell feucht und verzog sich. Ich war alles andere als beglückt. Auch einen Roller statt Rakel ausprobiert, vielleicht ein wenig besser.

 
Dann dachte ich es liegt an der Länge der Wellen und habe einen Fisch geschnitten, aber nach drei Fischen...
In euren Beiträgen hoffend nachgelesen , es gibt schon so tolle Fischdruckberichte und nach meinen Fehlern gesucht.



Vielleicht ist es der Untergrund? Die Wellen verworfen, ein neues Motiv entworfen, einen gepolsterten Untergrund geschaffen. Ein wenig besser wurde es, aber nicht so wie erhofft. Selbst bei den Kugelfischen schlug mein Papier Blasen, die ich dann aufschnitt und zuklebte. Und wenn schon wenig klappt, dann greift man mit Farbfingern nach dem Stoff oder das Sieb rutscht weg. Ein Partner wäre ideal gewesen. Ich habe keine Ahnung wo ich was verbessern kann - Farbsorte, Rakeldruck, Verzögerer, anderes Papier ?




Die Blasen sind nun nur gestempelt und die Wellen darüber habe ich mich nicht mal mehr getraut. Ich mußte und wollte fertig werden und konnte nicht noch mehr Risiko gebrauchen. Zwischenzeitlich dachte ich sogar ans komplette Aufgeben.
Ich kann nur den Hut ziehen vor euren tollen Arbieten und muß sagen auch das ist ein Handwerk, wo es wohl viel Erfahrung und Übung braucht, die mir eindeutig fehlen.Von dem ersten Wellenversuch habe ich die schönsten dazugelegt, soweit sie gereicht haben. Ich habe mein bestens gegeben, aber zufrieden bin ich nicht.
Ich war gestern ganz erschrocken über die vielen Kommentare und befürchte, dass ihr beim Auspacken arg enttäuscht seid.



























Durchgedrückter Unterdgrund, als ich vergass Papier zwischen zu legen, den finde ich richtig gut, aber ist eben das Gegenteil von exaktem Siebdruck.
 
 Aus den Papierproben sind Fischkarten entstanden , die zu jedem Stöffchen mitgeschwommen sind.

Seit herzlich bedankt für alles was hier so schön und liebevoll verpackt angekommen ist. Ich  habe mich sehr gefreut und bin jetzt noch weit mehr voller Bewunderung!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


Endspurt

So, sind unterwegs und die sechste Woche der Frühlings-mail-art-Aktion der besonderen Art ist geschafft.


Vom Chaos und vielen gemischten Gefühlen beim Frühlingsdrucken erzähle ich euch morgen.
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